Galileo

Galileo

GNSS Galileo (Quelle: www.esa.int)

In den 80er Jahren hat die Europäische Union (EU) einen sowohl politischen als auch ökonomischen Bedarf für ein Satellitennavigationssystem identifiziert, ähnlich dem US-Amerikanischen Global Positioning System (GPS) aber unter Europäischer Kontrolle. Zu diesem Zweck wurde das Galileo Joint Undertaking (GJU) als gemeinsame Einrichtung des European Space Agencies (ESA) und der EU gegründet. Zum Ende 2006 wurde diese Einrichtung durch die Galileo Supervising Authority (GSA) mit Sitz in Brüssel abgelöst.

Galileo wird aus einer Konstellation von 30 Satelliten in drei Bahnebenen auf einer Bahnhöhe von 23000 km und einem weltweiten Netzwerk aus Bodenstationen bestehen. Galileo ist der Europäische Beitrag zu einem Globalen Satellitennavigationssystem (GNSS). Mit der Fertigstellung wurde zunächst im Jahre 2008 gerechnet. Durch Verzögerungen in unterschiedlichen Bereichen, sowohl politisch als auch technisch, wird sich die Einsatzbereitschaft verzögern.

Galileo Bahnebenen (Quelle: www.esa.int)

Die ursprünglich anvisierten Kosten für Galileo belaufen sich auf ca. 3.4 Milliarden Euro. Neuere Schätzungen gehen allerdings von einem Mehrbedarf von rund 1.9 Milliarden Euro aus. Galileo als solches wird unabhängig von bestehenden Systemen sein, soll mit diesen aber kompatibel bleiben. Dies gilt insbesondere für GPS aber soweit möglich auch für das Russische GLONASS-System.

Implementierungsplan des Galileo-Systems

Galileo System Testbed v1

Validierung kritischer Algorithmen

2003

Galileo System Testbed v2

Start zweier Test-Satelliten

2005

In-Orbit Validation

Start von vier IOV-Satelliten und Inbetriebnahme des Bodensegments

2011/2012

Initial Operational Capability

Bereitstellung der ersten Dienste (OS, SAR, PRS) mit 18 im Orbit befindlichen Satelliten

2014/2015

Full Operational Capability

Bereitstellung aller Dienste mit 30 im Orbit befindlichen Satelliten

2019/2020

Nach erfolgreicher Systemdefinition befindet sich Galileo derzeit in der In-Orbit Validation (IOV)-Phase, mit dem Ziel, die Erfüllung der spezifizierten Anforderungen aus der Systemdefinition zu verifizieren, bevor mit dem eigentlichen Aufbau des Systems begonnen wird. Im Rahmen der IOV-Phasen sollen neben den beiden erfolgreich gestarteten Experimentalsatelliten Giove-A und B vier weitere Galileo-Satelliten gestartet werden. Alle Giove-Satelliten haben die primäre Aufgabe, die Frequenzen von Galileo zu sichern, dienen aber darüber hinaus bereits einer Technologieerprobung. Bodenseitig wird die zur Systemverifikation benötigte Infrastruktur installiert. Die IOV-Phase wird gemeinsam durch EU und ESA finanziert.

Nach erfolgreich abgeschlossener IOV-Phase folgt die Initial Operational Capability (IOC)-Phase. Hier sollen die ersten Dienste wie OS, SAR und PRS zur Verfügung gestellt werden, mit insgesamt 18 im Orbit befindlichen Satelliten.

Im Anschluss an die IOC-Phase wird die volle Einsatzbereitschaft von Galileo in der Full Operational Capability (FOC)-Phase angestrebt. Die Kosten dieser Phase sollten ursprünglich über ein Public Private Partnership (PPP) bereitgestellt werden. Nach gescheiterten Verhandlungen wird der Aufbau des Galileo-Systems nun zunächst durch die öffentliche Hand finanziert. In einem zweiten Schritt soll ein privatwirtschaftliches Konsortium den Betrieb übernehmen. Laut Aussage der EC war das Scheitern der ursprünglichen Verhandlungen zum PPP insbesondere begründet in einer unterschiedlichen Bewertung des Marktrisikos, welches entgegen der ursprünglichen Erwartung nicht vom Betreiberkonsortium getragen werden kann. Des Weiteren bestätigt die EC in Ihrer Empfehlung zum einen die Notwendigkeit für Galileo als entscheidende Infrastruktur für eine moderne Gesellschaft zum anderen die Gültigkeit und Robustheit der Systemspezifikation als Ergebnis von rund 10 Jahren erfolgreicher Arbeit an Design und technischer Qualifikation des Galileo-Systems durch ESA und Industrie. Um die Auswirkungen eines verspäteten Markteintritts zu minimieren, insbesondere im Hinblick auf den Wettbewerb mit einem modernisierten GPS, sollen daher keine fundamentalen Änderungen am Systementwurf erfolgen. Die ESA bleibt nach Empfehlung der EC für Systementwurf und Beschaffung verantwortlich und wird unter Führung der EC das Galileo-System verantwortlich aufbauen. Die öffentliche Hand übernimmt in diesem Zusammenhang das volle Entwicklungsrisiko.

Galileo wird die erste Infrastruktur sein, welche Eigentum der EU wird, vertreten durch die Europäische Kommission (EC). Betrieben wird Galileo letztendlich durch den Konzessionär – zunächst über einen Zeitraum von 20 Jahren.

Die GSA unterstützt die EC insbesondere in der Beschaffung einer neuen EGNOS- und Galileo-Konzession und sowie der Entwicklung von Anwendungen. Verhandlungen über den Betrieb von Galileo und EGNOS bis 2030 in PPP sollen parallel verfolgt werden.

Mit dem Erreichen der vollen Einsatzbereitschaft von Galileo wird derzeit nicht vor 2020 gerechnet.